Der Tagesanzeiger schreibt in der Oster-Samstags-Ausgabe: «Bei diesem Demonstrationszug hatte die Polizei einen Schoggijob. Am Karfreitag zogen über 500 Menschen schweigend und betend durch die Stadt.»

Am Karfreitag, um 12 Uhr mittags, startet der 27. Zürcher Kreuzweg, ein Weggottesdienst unter freiem Himmel, an dem über 500 Personen teilnehmen. Der Demonstrationszug beginnt mit einer andächtigen Stille in der Augustinerkirche unweit der Zürcher Bahnhofstrasse. Dann ein Gongschlag, der lange nachhallt. Ein untersetzter älterer Mann schultert ein Holzkreuz, das ihn um das Doppelte überragt, und macht sich auf den Weg. Es handelt sich um den grössten regelmässigen ökumenischen Anlass in Zürich. Organisiert wird er vom Arbeitskreis Ökumenischer Zürcher Kreuzweg, zu dem auch die Heilsarmee, die Methodisten und die Baptisten aus der Evangelischen Allianz Zürich dazugehören.

Nach gut zwei Stunden und sechs verschiedenen Stationen in der Innenstadt (Augustinerkirche, Münsterhof, Bürkliplatz, Züghusplatz, Ernst-Nobs-Platz, Kirche St. Peter und Paul) feiern wir den Abschluss in der Kirche St. Peter und Paul. Ein letzter Gong, ein letztes Gebet, Kollekte, Segen, das Lied: «Meine Hoffnung und meine Freude». Während Jesus sich damals von Gott, dem Vater und der Welt verlassen glaubte, wissen wir, dass

dies nicht das Ende der Geschichte ist. Denn auf den Karfreitag folgt das Freudenfest, Ostern.

Persönlich empfand ich die Vorbereitung und die Begegnungen mit meinen Brüdern und Schwestern aus den anderen Denominationen sehr ermutigend. Sicher sind wir in verschiedenen Bereichen unseres Glaubens nicht immer der gleichen Meinung. Aber wenn über 500 Personen zusammen mit den Vertretern der verschiedenen Denominationen hinter einem Kreuz durch die Innenstadt von Zürich laufen, dann ist das ein eindrückliches Zeichen, dass unser Glaube an Jesus Christus lebendig ist und gelebt wird.

 

Markus Muntwiler, Vize-Präsident Allianz Zürich